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Freitag, Oktober 19, 2007

// 1. FC Köln - Hans Schäfer wird 80

Hans Schäfer: Eine Legende wird 80
Er ist Weltmeister, zweifacher Deutscher Meister und „Fußballer des Jahres“.

Hans Schäfer ist eine lebende deutsche Legende und das Kölner Fußballidol schlechthin. Am Freitag, 19. Oktober 2007, feiert Schäfer seinen 80. Geburtstag – Grund genug für eine ausführliche Würdigung.


Hans Schäfer macht sich gerne rar – großen Rummel um seine Person mag er nicht. Am deutlichsten wurde dies, als er 2004 die vielen Einladungen anlässlich des Jubiläums des „Wunder von Bern“ und der gleichnamigen Filmpremiere gänzlich ablehnte. Es drängt ihn nicht und Nichts in die Öffentlichkeit. Hans Schäfer ist aber weder menschenscheu noch arrogant. Alle paar Tage schaut er am Geißbockheim oder in der FC-Verwaltung bei „seinem“ FC vorbei. Schäfer geht über den Flur, grüßt vom Praktikanten bis zum Geschäftsführer jeden Mitarbeiter, nickt freundlich in alle Büros und ist für jeden ansprechbar. Hans Schäfer spielt dabei keine Rolle – er gibt nicht den Weltmeister, der menschlich geblieben ist, er ist es einfach. Als in der Vorsaison im GeißbockSpezial ausgerechnet er bei der Auflistung der FC-Nationalspieler vergessen wurde, reagierte Schäfer selbst ganz locker: „Ich habe gedacht, ihr wolltet Papier sparen“, war seine Antwort, als die Redaktion zerknirscht bei ihm anrief.

Ein außergewöhnliches Talent

Geboren wurde Johann Schäfer, wie sein richtiger Name eigentlich lautet, am 19. Oktober 1927 in Köln-Sülz. Aufgewachsen ist er allerdings im Stadtteil Zollstock, wo seine Eltern einen eigenen Frisörsalon betrieben. Sein Vater Hugo brachte Hans 1937 zum DJK Rheinland Zollstock (später Rot-Weiß Zollstock) wo man schnell das außergewöhnliche Talent des Linksfußes entdeckte und förderte. Nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule absolvierte Schäfer eine Frisörlehre im elterlichen Geschäft, im Zweiten Weltkrieg machte man ihn im Alter von 16 Jahren noch zum Flakhelfer. Nach dem Krieg, den er unbeschadet überstand, kehrte Hans Schäfer zu seinem alten Club nach Zollstock zurück und spielte dort für die erste Mannschaft. Schnell sprach sich in der Kölner Fußballszene herum, welch erstklassiger Akteur auf dem linken Flügel der Zollstocker wirbelte. Am intensivsten bemühte sich die Spielvereinigung Sülz 07 um seine Dienste. Aus verständlichen Gründen wollten die Zollstocker ihren besten Spieler aber nicht ziehen lassen und da bei einem Wechsel innerhalb der britischen Besatzungszone eine einjährige Spielsperre gedroht hätte, wechselte Schäfer zunächst in die amerikanische Zone zum hessischen VfB Volkmarsen. Schäfer blieb im Spielbetrieb und wechselte auf den Tag genau ein Jahr später wieder zurück in die Heimat – zum 1. FC Köln, der mittlerweile durch die Fusion von Sülz 07 und dem KBC entstanden war.

Wechsel zum FC, Debüt in der Nationalelf

Sein Debüt für den FC feierte er am 6. August 1948 beim Freundschaftsspiel in Wuppertal gegen den WSV (2:2). Auf Anhieb sicherte sich Schäfer einen Stammplatz in der Mannschaft von Spielertrainer Hennes Weisweiler und ein knappes Jahr später konnte er mit dem 1. FC Köln den ersten großen Erfolg feiern: Nach missglücktem Anlauf im Vorjahr gelang der ersehnte Aufstieg in die Oberliga West – der FC und Hans Schäfer waren erstklassig. Auch in der neuen Spielklasse etablierte sich „de Knoll“, so sein Spitzname bei Teamkollegen und Fans, als Spitzenspieler. 1953 wurde er mit 26 Treffern erstmals Torschützenkönig der Oberliga West, zog mit dem FC in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft ein und wurde Westdeutscher Pokalsieger. Schon zuvor, am 9. November 1952, gab der Kölner Linksaußen seine Premiere in der Deutschen Nationalmannschaft. Es wurde ein traumhaftes Debüt: Beim 5:1 gegen die Schweiz durfte Schäfer neben Fritz Walter stürmen, er erzielte zwei Tore und nahm von nun an einen besonderen Platz in Herbergers berühmtem Notizbuch ein.

„Der beste Linksaußen der Welt.“

Dass Schäfer beim 1. FC Köln so glänzen konnte, hatte neben seinen eigenen Fähigkeiten noch einen weiteren Grund: Mit der Verpflichtung von Jupp Röhrig im Sommer 1950 hatte man Schäfer einen kongenialen Partner an die Seite gestellt, mit dem er sich ideal ergänzte. Röhrig, der technisch versierte, elegante Spielmacher, servierte Schäfer die Bälle maßgerecht und dieser verwertete sie mit verblüffender Sicherheit. Zehn Jahre lang sollte das Traumpaar Röhrig/Schäfer die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander bringen. Dabei war Schäfer kein „sturer“ Linksaußen, der nur auf seiner Position „klebte“, sondern ein kampfstarker Offensivantreiber, der immer wieder ins Sturmzentrum drängte. In der Spielzeit 1953/1954 wurde der 1. FC Köln erstmals Westdeutscher Meister – auch dank der erneuten 26 Saisontore von Schäfer. Dieser fuhr anschließend zur WM-Endrunde in die Schweiz und kehrte als einer der „Helden von Bern“ zurück. Tausende Kölner bereiteten ihm bei der Rückkehr in seine Heimatstadt einen unvergessenen Empfang und die internationale Presse feierte ihn als „besten Linksaußen der Welt.“

Der FC wird mit Hans Schäfer Deutscher Meister

Auch beruflich lief es rund bei Hans Schäfer. Zunächst in der Parfümerieabteilung des Kaufhof beschäftigt, machte er sich 1956 selbständig und eröffnete in Köln-Lindenthal eine Tankstelle. Es war ihm wichtig, sich für die Zeit nach der aktiven Karriere eine Existenz aufzubauen. Aus diesem Grund trat er auch, nachdem er die Deutsche Elf als Kapitän ins WM-Turnier 1958 geführt hatte, 1959 aus der Nationalelf zurück, um mehr Zeit für sein Geschäft zu haben. Beim 1. FC Köln trug er, von der Linksaußenposition mittlerweile erfolgreich auf die des Halbstürmers gewechselt, ab 1958 ebenfalls die Kapitänsbinde. Mit dem FC feierte er in den kommenden Jahren große Erfolge. Neben vier Westdeutschen Meisterschaften (1960-1963) und einem verlorenen Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen den HSV (1960), gelang am 12. Mai 1962 der ganz große Wurf: Nach einem überragenden 4:0 im Endspiel gegen Titelverteidiger 1. FC Nürnberg wurden die Kölner erstmals Deutscher Meister.

Ende der aktiven Karriere 1965

Hans Schäfer und sein väterlicher Vertrauter Franz Kremer waren endlich am ganz großen Ziel angelangt. Sepp Herberger holte den FC-Kapitän folgerichtig nach fast zweijähriger Abstinenz wieder in die DFB-Auswahl zurück. Hans Schäfer war der erste Deutsche Nationalspieler, der an drei Weltmeisterschaften teilnahm – nach der WM 1962 in Chile trat er dann aber endgültig aus der Nationalmannschaft zurück. Dessen ungeachtet wählte ihn die deutsche Sportpresse 1963 zu Deutschlands Fußballer des Jahres. 1964 dann der letzte Höhepunkt in Schäfers eindrucksvoller Karriere: Der 1. FC Köln wurde der erste Deutsche Meister der neu gegründeten Bundesliga. Im stolzen Fußballeralter von 37 Jahren beendete der Publikumsliebling im Sommer 1965 endgültig seine aktive Karriere. Von 1965 bis 1969 fungierte Hans Schäfer dann als Trainerassistent und Team-Betreuer, unter anderem gewann er zusammen mit Cheftrainer Willi Multhaup 1968 den DFB-Pokal. Anschließend zog er sich vom Fußball zurück und kümmerte sich nun ganz um seine geliebte Familie und um seine Geschäfte. Inzwischen war Schäfer auch in den Geschenkartikelvertrieb des 1967 verstorbenen Präsidenten Franz Kremer eingestiegen.

Ein echter „kölscher Jung“, der sagt was er denkt, authentisch und ehrlich ist.

Obwohl Schäfers Karriereende bereits mehr als vier Jahrzehnte her ist, lieben ihn die FC-Fans bis heute. Die Glorifizierung des „Wunders von Bern“ hat hierzu sicher einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet, in erster Linie liegt es aber in der Person Hans Schäfer begründet, dass er in Köln bis heute so bekannt und beliebt ist. Schäfer war und ist ein echter „kölscher Jung“, der sagt was er denkt, authentisch und ehrlich ist. Sein einzigartiges Spiel, die berühmten „Bombenschüsse“ oder seine unvergesslichen Scherenschlagrückzieher brachten vor Jahrzehnten die Stadionbesucher in Verzückung. Und wenn Schäfer heute im kleinen Kreis von den alten Zeiten erzählt, und zwar so, wie es wirklich war, kleben alte und junge Zuhörer an seinen Lippen. Schäfer selbst lebt aber nicht in der Vergangenheit, sondern im Hier und Jetzt. Er nimmt immer noch Anteil am Geschehen rund um den 1. FC Köln und besucht regelmäßig die Heimspiele im RheinEnergieStadion. Und wenn es um den FC geht, dann macht er auch mal eine Ausnahme und nimmt an einem öffentlichen Termin teil und repräsentiert seinen Club. Eine Interview-Anfrage der FC-Redaktion im Rahmen des Spiels gegen des SC Freiburg lehnte er allerdings in seiner typischen Art höflich ab: „Nä Jung, nit vürm Spill, do bin ich zo opgeräg .“ Am nächsten Tag erschien er dann aber natürlich pflichtbewusst in der Redaktion…

Herzlichen Glückwunsch Hans!!!

Links:
Originalartikel
„22 Fragen an Hans Schäfer“
Fotogalerie „Bilder einer Fußball-Legende“
Glückwunschvideo der Weggefährten

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